Die Sache mit den Veränderungen

Gastbeitrag von Antje

Veränderungen. Sie bestimmen unser Leben, sind mal gut und mal nicht so gut. Gewollt oder ungewollt. Man wechselt den Job. Zieht in eine neue Wohnung. Oder Stadt. Färbt sich die Haare. Wird Veganer. Oder hört nach zwei Jahren Ehe vom eigenen Mann die Worte: Ich liebe Dich nicht mehr.

Wie gesagt, Veränderungen können gut sein. Diese ließ mich ins Bodenlose fallen. Und weiter. Es folgten Weinkrämpfe, rastlose Nächte, noch mehr Weinkrämpfe und eine ziemlich ungesunde Mischung aus Wut, Selbstzerfleischung, Mitleid, noch mehr Wut und absoluter Hoffnungslosigkeit. Dem Menschen, den ich so sehr liebe, war ich einfach egal geworden.

Schon ziemlich blöd.

Wer schon mal getrennt wurde, der weiß, wie sich das anfühlt. Und sind wir ehrlich: neben all den anderen kräftezehrenden Emotionen schwingt sich zu irgendeinem Zeitpunkt auch immer mal wieder der Gedanke ein: „Heeey, irgendwie muss ich ihm doch wieder gefallen können.“

Und nachdem ich genau diesen Gedanken gefühlt 3753x gedacht, mit Freundinnen ausgewertet und im Kopf zerpflückt hatte, machte sich irgendwann doch recht urplötzlich, aber hartnäckig ein kleines Stimmchen in meinem trauervernebelten Gehirn breit: Wie wäre es, wenn Du Dir selbst einfach gefällst? Wenn Du Dich glücklich machst? Wenn Du Dir Freude schenkst? Und nicht darauf wartest, dass es Andere tun?

Zugegeben, die Liebe zu Dir selbst ersetzt nicht die Liebe eines Anderen. Besonders, wenn Du mit diesem Anderen verheiratet bist und er über Jahre in jeder Deiner Zukunftsvisionen die Hauptrolle gespielt hat. Ich sehne mich nach wie vor nach dieser Liebe, aber da ist auch diese Liebe, die ich bereit bin, mir selbst zu geben. Die wir Alle bereit sein sollten, uns selbst zu geben.

Weil wir es verdient haben. Weil ich es verdient habe. Ich bin ein toller Mensch – klar, mit einem Übergepäck an Fehlern und Macken. Aber trotzdem toll. Ich habe Werte, Humor und Spaß am Leben. Ich bin im Niveau vielleicht flexibel, aber grundsätzlich Eine von den Guten. Mama hat mir gezeigt, wie man kocht, Wäsche wäscht und die Wohnung in Schuss hält. Papa hat mir gezeigt, welche Witze wirklich witzig sind, dass ein Schraubenzieher keine Gabel ist und Abseits nicht gleich passives Abseits. Meine Freunde beschreiben mich als gefühlvoll, einfühlsam, humorvoll und intelligent wird auch ab und zu genannt. Eigentlich kein schlechtes Resumée, oder?

Sich selbst genug zu sein, ist eine Kunst.

Trotzdem: Sich selbst genug zu sein, ist eine Kunst. Und ich beherrsche sie noch lange nicht. Aber ich bin bereit, mich selbst zu lieben. Meine Fehler. Meine Macken. Meinen schrumpeligen Hintern und diese eigenartigen Falten auf der Nase, wenn ich lache. Meine Ungeduld und Ähnlichkeit mit einem 100-jährigen bockigen Elefanten, wenn es nicht so läuft, wie ich mir das vorgestellt habe. Ich kann kein Auto fahren (der Führerschein ist Attrappe) und gebe für die dümmsten Sachen das meiste Geld aus…

Was das mit diesem wundervollen Blog von Claudia zu tun hat? Ganz einfach, wenn Ihr mich fragt. Freude schenken ist etwas Tolles und Jeder von uns macht es fast täglich – für Familie, Freunde und manchmal sogar Fremde (einfach mal die Kassiererin an der Kasse anlächeln, die hat meistens auch einfach nur einen beschissenen Tag). Nur vergessen wir dabei gerne uns selbst.

Charlotte aus Sex and the City (noch ein Vorteil, wenn Du verlassen worden bist und glaubst, nie wieder so lieben zu können: Du kramst diese vier Verrückten raus!) sagte mal auf die Frage, ob sie jeden Tag in ihrer Ehe glücklich wäre: „Ja, das bin ich. Zwar nicht den ganzen Tag, aber doch wenigstens einmal am Tag.“

Und so sollte es auch mit der Ehe sein, die Jeder von uns mit sich selbst führt. Wir müssen uns nicht den ganzen Tag toll finden. Wir sollten weiter selbstkritisch sein und hinterfragen, was wir da machen. Uns weiterentwickeln und über uns und unser Tun nachdenken. Aber ganz unabhängig von unserem Beziehungsstatus sollten wir uns auch die Zeit nehmen, in den Spiegel zu gucken und zu sagen: „Ich finde Dich schon ein bisschen toll, Kleines!“

Zum „sich selbst Freude schenken“ gehört natürlich auch das, was 98% von uns Frauen am Liebsten machen: shoppen. Kleines Beispiel: seit Jahren möchte ich einen Ohrensessel. Mit Hocker. So richtig old-school und eigentlich nur für einen Besuch von Queen Elisabeth II geeignet. Irgendwie hat es aber nie gepasst. Mal war die Wohnung zu klein, mal kein Geld da, mal beides und mein Mann hätte die Idee wohl ziemlich blöd gefunden. Immerhin kann man auf so einem Teil beim Fußball gucken nicht ganz so gemütlich gammeln.

Was war also meine erste Amtshandlung im Möbelhaus, nachdem die Schockstarre nachgelassen und ich begriffen hatte, dass ich bald in einem 20 m² großen, leeren Wohnzimmer hocken würde? Richtig. Ohrensessel gekauft. Mit Hocker.

Es ist völlig egal, wie Ihr Euch selbst beschenkt. Ob es durch die Erkenntnis ist, dass Ihr tolle Menschen seid (hier noch ein Praxisbeispiel: nur weil EIN Mensch anderer Meinung ist, heißt das nicht, dass es nicht so ist!) oder durch immer noch viel zu teure SALE-Angebote, schöne Unterwäsche, das 800. Paar Schuhe oder einen Kurztrip nach irgendwo, der Eure Kreditkarte glühen lässt.

Nur tut es. Schenkt Euch Freude. Erst recht immer dann, wenn Euer Leben ganz besonders Kopf steht. Wenn die Veränderungen vielleicht ganz enorm übermächtig und beängstigend erscheinen.

Das sind sie nicht. Denn Ihr habt immer Euch. Vertraut auf Euch und in Euch! Mehr braucht es für den Anfang nicht. Und der Rest findet sich. Immer.

Eure Antje

7 Comments

  1. Jean Februar 23, 2018

    Ganz toller und mutiger Artikel! Danke fürs Teilen und Inspirieren! Du machst das toll!

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  2. Cherry Februar 23, 2018

    Danke. So ein berührender und toller Text. Muss ihn gleich nochmal lesen.

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  3. Sanni Februar 23, 2018

    Du bist so stark und so mutig, ich bewundere dich total. Du schenkst so vielen freude bei insta mit deinem worten und deinen schönen Bildern und hast es verdient auch selbst glücklich zu sein. Auf einen guten weg bist du ja schon mal und vielleicht kommt irgendwann auch nochmal ein mann dazu der deine träume von der zukunft noch besser macht als du es dir je vorgestellt hattest❤️

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  4. Conny Februar 25, 2018

    Liebe Grüße aus Dresden. Ich wünsche Dir für die kommende Zeit viel Kraft und Mut. Vielleicht lese ich, nach all den Jahren, ja mal wieder zufällig etwas von Dir.

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  5. liliana goetz März 2, 2018

    der erste gedanke nach dem Lesen deiner Geschichte war, dass dein Ex-Mann doch bescheuert gewesen sein muss, eine so tolle und interessante Frau (was deine Freunde ja bestätigen) und noch dazu eine so hübsche Frau nicht mehr zu wollen! Aber wie ich aus eigenen Erfahrungen weiss, kann die liebe manchmal genau so unverhofft wieder gehen, wie sie gekommen ist. Ich finde es toll, wie du anderen Frauen in der gleichen Situation mut machst und wünsche dir von herzen ein glückliches und erfülltes Leben!

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    • liliana goetz März 2, 2018

      Noch eine Anmerkung in eigener Sache … leider kann man im Kommentarfeld nur klein schreiben aber nachher überträgt es das Geschriebene trotzdem in Gross- und Kleinbuchstaben aber leider nicht konsequent! Das ist komisch und sehr mühsam zum Schreiben!

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      • Claudia März 2, 2018

        Danke für deinen lieben Kommentar und ja, du hast absolut Recht mit der Funktion, liebe Liliana. Ich konnte das selbst leider noch nicht beheben und muss mich da wohl mal technischen Support kümmern. Langsam ist es an der Zeit. 🙂 Liebe Grüße, Claudia

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